Hochschulmanagement im Wandel: Strategien für eine nachhaltige Führung der Schweizer Hochschulen
Da sich Hochschulen in einer zunehmend wettbewerbsintensiven und ressourcenbegrenzten Welt behaupten müssen, ist die Rolle ihrer Führungspersonen wichtiger und komplexer denn je. Eine aktuelle nationale Studie liefert aufschlussreiche Einblicke in die Profile dieser Führungspersonen, die Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen, und die Kompetenzen, die sie benötigen, um eine nachhaltige und innovative Zukunft für Schweizer Hochschulen zu sichern.
Wer sind die Führungspersonen, die Schweizer Hochschulen gestalten?
Das Profil der Führungspersonen in der Schweiz bleibt bemerkenswert homogen. Ganze 68 % der leitenden Führungskräfte sind Männer, und 80 % besitzen die Schweizer Staatsbürgerschaft. Die durchschnittliche Führungsperson ist Mitte 50 und stammt häufig aus den Natur- und Technikwissenschaften (43 %) oder den Geistes- und Sozialwissenschaften (35%). Die meisten Führungskräfte steigen aus den eigenen Reihen auf: 55 % wurden intern befördert, anstatt extern rekrutiert zu werden.
Der Weg verläuft dabei oft über die Wissenschaft und weniger über das Management. Fast 40 % der Führungskräfte hatten vor ihrer Ernennung keine allgemeine Managementerfahrung. Die durchschnittliche Verweildauer in leitenden Positionen beträgt 5,5 Jahre, wobei viele vor ihrem Aufstieg bereits 13,7 Jahre an ihrer Institution tätig waren. Internationale Erfahrung ist eher begrenzt: Nur 33 % haben mehr als drei Jahre im Ausland gearbeitet, was auf eine mögliche Lücke in globaler Expertise hinweist.
Was zeichnet exzellentes Hochschulmanagement aus?
Das Modell unterscheidet sechs General Management Dimensionen mit 28 Einzelkompetenzen, die erfolgreiches Hochschulmanagement definieren. Die Fähigkeit, Teams zu inspirieren und zu motivieren, vorausschauende Strategien zu entwickeln und komplexe institutionelle Veränderungen zu bewältigen, ist von grösster Bedeutung. Ebenso essenziell sind das Beherrschen der finanziellen Nachhaltigkeit, der Aufbau politischer und industrieller Partnerschaften sowie ein tiefgehendes Verständnis für die vielschichtigen Strukturen der Hochschul-Governance.
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Derzeit gelten Leadership und strategisches Gestaltungsvermögen als die wichtigsten Fähigkeiten. Zukünftig werden jedoch Expertise in Fundraising, Alumni-Engagement und der Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen, da Hochschulen nach neuen Finanzierungsquellen und stärkeren Stakeholder-Beziehungen suchen.
Potenzial in der Führungskräfteentwicklung
Trotz der wachsenden Komplexität der Hochschulleitung sind strukturierte Führungskräfteent-wicklungsprogramme nach wie vor selten. Lediglich 44 % der Führungskräfte haben an formalen Trainingsprogrammen teilgenommen, was bedeutet, dass viele ihre essenziellen Fähigkeiten erst am Arbeitsplatz erwerben mussten. Tatsächlich traten 39 % der Führungspersonen ihre Position ohne vorherige Managementerfahrung an. Dies unterstreicht die dringende Notwendigkeit umfassenderer Ausbildungsprogramme. Angesichts der grossen Herausforderungen stellt sich die Frage: Wie können Schweizer Hochschulen ihre künftigen Führungskräfte besser ausbilden?
Ein Fahrplan zur Stärkung des Hochschulmanagements
Die Studie zeigt mehrere zentrale Strategien auf, um eine stärkere und effektivere Führungskräfte-Pipeline für Schweizer Hochschulen zu gewährleisten.
- Die Erhöhung der Geschlechter- und internationalen Vielfalt in Führungsteams ist entscheidend, um frische Perspektiven und innovative Lösungen zu fördern.
- Gezielte Karriere-Mobilität zwischen Wissenschaft, Industrie und dem öffentlichen Sektor kann helfen, breit aufgestellte Führungskräfte mit globaler Perspektive hervorzubringen.
- Strukturierte Führungskräfteentwicklung sollte zur Regel und nicht zur Ausnahme werden.
Die Entwicklung gezielter Trainingsprogramme für Dekane und Fachbereichsleitungen sowie die Implementierung nationaler Führungsentwicklungsinitiativen könnten inspirierende Vorbilder aus den Niederlanden, Schweden und Israel nutzen.
Auch die Stärkung der Finanz- und Strategiekompetenzen wird entscheidend sein, um künftige Führungskräfte mit den notwendigen Fähigkeiten auszustatten, Budgets zu verwalten, datenbasierte Entscheidungen zu treffen und eine langfristige institutionelle Finanzierung zu sichern.
Aktuell werden 58 % der Führungskräfte über offene Bewerbungsverfahren ausgewählt, doch traditionelle akademische Selbstverwaltung bleibt dominant – mit Chancen und Herausforderungen. Die Reform von Rekrutierungs- und Ausbildungsprozessen wird entscheidend sein, um sicherzustellen, dass Schweizer Hochschulen von Führungskräften geleitet werden, die den sich wandelnden Anforderungen der Hochschullandschaft gewachsen sind.
Fazit: Die Zukunft des Hochschulmanagements
Schweizer Hochschulen stehen an einem entscheidenden Punkt, und ihre Zukunft wird durch die Stärke ihrer Führungskräfte geprägt. Angesichts steigender finanzieller Zwänge, technologischer Entwicklungen und globaler Konkurrenz war der Bedarf an visionären und anpassungsfähigen Führungskräften noch nie so gross wie heute.
Diese Studie bietet eine Orientierungshilfe für Hochschulen, um Führungskräfte zu entwickeln, die Wandel aktiv gestalten, Innovation vorantreiben und Schweizer Hochschulen international wettbewerbsfähig halten.